01. Juli 2026
Bei der Polit- und Kommunikationsagentur polsan übernehmen am 1. Juli die beiden Managing Partner Sandra Hügli und Yvan Rielle das Ruder. Der Gründer und bisherige Mitinhaber Reto Wiesli zieht sich aus der Agentur zurück und konzentriert sich auf seine politische Beratungstätigkeit. Für polsan beginnt damit ein neues Kapitel, gleich bleibt der inhaltliche Anspruch: gesellschaftlich relevante Anliegen zu bewegen, sie sichtbar zu machen – und mehrheitsfähig. Wie eng Kommunikation und Politik heute ineinandergreifen, warum klassisches Lobbying allein nicht reicht und weshalb polsan den Fokus konsequent auf Verbände, Stiftungen und NPOs schärft, erklären Sandra Hügli und Yvan Rielle im Gespräch.

Politische Beratung und Public Affairs sind seit jeher Kernbereiche von polsan. Wie soll sich dieser Bereich in Zukunft strategisch weiterentwickeln? Worauf kommt es heute an?
Yvan Rielle: Politik wird heute nicht mehr nur in Parlamenten oder Regierungen gemacht. Sie entsteht überall dort, wo gesellschaftliche Debatten geführt werden: in der Öffentlichkeit, in sozialen Netzwerken, in Medien, Verbänden und Fachkreisen. Der politische Raum ist überall und sehr vielgestaltig. Demokratische Entscheide fallen zwar an der Urne oder in Kommissionen, Sessionen und Regierungssitzungen, «gemacht» werden Mehrheiten aber anderswo. Sie entstehen in komplexen politischen Diskursräumen. Wer politisch etwas bewegen will, muss diese Komplexität und Dynamiken verstehen, einordnen und verbinden können.
Also hat das klassische Lobbying ausgedient?
Yvan Rielle: Nein, ganz und gar nicht. Der direkte Kontakt mit Entscheidungsträger:innen, der Wissens- und Informationstransfer mit und zu ihnen, das Ringen um die besseren Argumente, das ist und bleibt immer wichtig. Wir verstehen aber politische Beratung nicht als kurzfristige Interessenvertretung in Wandelhallen, sondern als strategische Begleitung mit langfristiger Wirkung.
Was heisst das konkret?
Yvan Rielle: Lobbying ist wichtig, aber eben nur eines von vielen Puzzleteilen. Es geht darum, Entwicklungen früh zu erkennen, gesellschaftliche Stimmungen einzuordnen, glaubwürdige Positionen aufzubauen und Narrative und Themen in politischen Diskursräumen so zu platzieren, dass sie nachhaltig Wirkung entfalten. Gerade Verbände, Stiftungen und Organisationen bewegen sich heute in einem anspruchsvollen Spannungsfeld zwischen Fachlichkeit, öffentlicher Wahrnehmung und den Erwartungen unterschiedlichster Anspruchsgruppen. Umso wichtiger sind strategische Klarheit, politisches Gespür und eine Kommunikation, die komplexe Themen verständlich vermittelt und Vertrauen schafft.
Diese Verbindung von Politik und Kommunikation zieht sich wie ein roter Faden durch polsan.
Sandra Hügli: Richtig, weil heute genau dort der eigentliche Mehrwert entsteht. Viele Organisationen haben wichtige Anliegen und spannende Inhalte – aber Wirkung entsteht erst, wenn politische Prozesse, gesellschaftliche Entwicklungen und Kommunikation zusammen gedacht werden und etwas auslösen. Politische Arbeit bedeutet, Themen strategisch aufzubauen, sie in Narrative einzubauen, Menschen mitzunehmen und langfristig Vertrauen zu schaffen. Kommunikation wiederum ist weit mehr als Sichtbarkeit: Sie schafft Orientierung, macht komplexe Themen verständlich und hilft Organisationen, glaubwürdig Position zu beziehen. Deshalb arbeiten wir integriert. Wir denken politische Strategien immer auch kommunikativ und Kommunikation immer im politischen und gesellschaftlichen Kontext.
Ein dritter Schwerpunkt ist der NPO-Bereich. Weshalb dieser Fokus?
Sandra Hügli: Wir arbeiten fast ausschliesslich für NPOs, Verbände und Stiftungen, mit deren Themen und Anliegen wir uns auch persönlich identifizieren können. Oft sind es solche, deren Anliegen im lauten Getöse um politische Aufmerksamkeit manchmal etwas untergehen. Wir wollen mithelfen, ihnen eine Stimme zu geben.
Was treibt euch an, euch so auszurichten?
Sandra Hügli: Diese Organisationen bewegen gesellschaftlich relevante Fragen – und genau das interessiert und motiviert uns. Die strategische Entscheidung, unseren Fokus bewusst auf diesen Bereich zu legen, ist deshalb nicht unternehmerisch begründet, sondern vor allem inhaltlich. Bei einigen Organisationen übernehmen wir zusätzlich die Geschäftsstellen- oder Verbandsführung. Vor allem dort, wo politische oder kommunikative Herausforderungen besonders eng mit dem operativen Alltag verbunden sind. Das ermöglicht eine andere Nähe zu Themen und Entscheidungsprozessen.
Die Kommunikationsbranche ist sehr schnelllebig geworden, trotzdem begleitet polsan viel Kund:innen seit Jahren. Zufall?
Yvan Rielle: Wohl eher das Gegenteil. Politik und Kommunikation funktionieren nicht kurzfristig. Vertrauen entsteht über Zeit – genauso wie Wirkung und damit politische und gesellschaftliche Veränderung. Wir bleiben an Themen dran, auch wenn Prozesse kompliziert werden oder der Weg steinig und lang ist. Vielleicht ist genau diese Hartnäckigkeit ein Grund, weshalb viele Kundinnen und Kunden seit Jahren mit uns zusammenarbeiten. Und weil sie unsere Philosophie und das Verständnis teilen, dass politische Arbeit kein Sprint ist. Eher ein Orientierungslauf über die Marathondistanz.
Welche Themen prägen die Arbeit von polsan besonders?
Sandra Hügli: Unsere Wurzeln liegen in der Gesundheits- sowie der Kinder- und Jugendpolitik. Dort begleiten wir seit vielen Jahren Organisationen, Verbände und Projekte strategisch und kommunikativ. Gleichzeitig entwickeln sich unsere Themen laufend weiter. Viele gesellschaftliche Fragen hängen heute stärker zusammen als früher: Gesundheit betrifft Chancengleichheit und soziale Teilhabe, Kinder- und Jugendpolitik berührt Bildungs- und Gesellschaftsfragen, kulturelle Themen werden politischer. Genau diese Entwicklungen interessieren uns. Wir mögen Themen mit Relevanz und Substanz. Und wir arbeiten gerne dort, wo gesellschaftliche Fragen nicht einfach verwaltet, sondern aktiv mitgestaltet werden.
Und ganz persönlich: Was bedeutet polsan heute für euch beide?
Yvan Rielle: Vor allem viel Herzblut und die Möglichkeit, sowohl unternehmerisch wie auch politisch und strategisch zu arbeiten, und das für Anliegen, mit denen wir uns persönlich identifizieren können. Es war nie mein primäres Karriereziel, Partner einer Agentur zu sein. Was mich all die Jahre angetrieben hat, war vielmehr die Leidenschaft für das Politische und der Wunsch, mit feinen Menschen Gutes bewegen zu können. Auch wenn wir viel grösser geworden sind, hat sich daran bis heute nichts geändert. In der Agentur politische Strategien und Narrative entwickeln, zusammen mit allen anderen und auf Augenhöhe komplexe Projekte zum Fliegen bringen oder die grossen und kleinen Herausforderungen des Agenturalltags zu meistern, das macht es für mich aus. Und ich glaube auch für viele andere bei polsan.
Sandra Hügli: Unser Team vereint unterschiedliche Kompetenzen und Hintergründe – aus Politik, Kommunikation, Verbandsarbeit und strategischer Beratung. Was uns verbindet, ist weniger der gleiche Lebenslauf als vielmehr die gleiche Haltung: Wir wollen Themen voranbringen, die gesellschaftlich relevant sind und etwas bewirken. Darin liegt auch meine persönliche Motivation. Dass wir uns beruflich für Anliegen engagieren können, die uns auch privat bewegen, empfinde ich als grosses Privileg. Genau daraus entsteht diese hohe Identifikation mit unserer Arbeit und wahrscheinlich auch die Energie und Hartnäckigkeit, mit der wir Projekte begleiten. Das spürt man im ganzen Team, aber auch in der Zusammenarbeit mit unseren Kundinnen und Kunden. Für uns ist polsan mehr als ein Job.
Das Gespräch führte Cynthia Ringgenberg.
Für polsan beginnt ein neues Kapitel – die persönliche Nähe bleibt
Für polsan beginnt ein neues Kapitel – die persönliche Nähe bleibt
Reto Wiesli, Gründer und langjähriger Partner von polsan, verlässt die Agentur, um ein eigenes Unternehmen aufzubauen. polsan dankt ihm herzlich für den prägenden Aufbau der Agentur, die langjährige Zusammenarbeit und das gemeinsame Engagement der vergangenen Jahre und wünscht ihm für den neuen Weg viel Erfolg. Die Verbindung zwischen ihm und polsan bleibt auch in Zukunft bestehen: In ausgewählten Mandaten bleibt die Zusammenarbeit eng, und auch künftig wird es gemeinsame Projekte und fachlichen Austausch geben. Dank der gemeinsamen Büroräumlichkeiten bleibt auch die persönliche Nähe im Alltag erhalten.
